Paris - Begegnung am Place de la Concorde
- Bernd Brormann

- 27. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 1 Tag

„Eine ungewöhnliche Nacht in Paris: Was als einsamer Spaziergang an der Seine beginnt, wird durch eine Geschichte aus einem Buch und einer unerwarteten Begegnung am Place de la Concorde zu einer lebensverändernden Erkenntnis. Diese Geschichte erzählt davon, warum wir manchmal weit reisen müssen, um zu verstehen, dass der größte Schatz längst in uns selbst liegt.“
Eine Geschäftsreise nach Paris
Im Spätsommer 2018 hatte ich in Paris ein unglaubliches und magisches Erlebnis. Ich war zu einem Kongress in Paris und bin an dem wunderschönen Sommerabend durch die Stadt gelaufen. An der Seine entlang, Notre Dame und zu guter Letzt wollte ich über den Champs Elyssee zurück bis zu meiner AirBnB Wohnung laufen, die in der Nähe des Paris Convention Center.
Rückblende nach Berlin
Doch nun muss ich noch etwas Wichtiges einschieben, was mir diesen Abend unvergesslich macht. Von meiner Frau Judith hatte ich zum Geburtstag Tickets für eine Veranstaltung in Berlin mit dem Namen Gedankentanken geschenkt bekommen. Einige der Vorträge waren sehr gut, doch der Veranstalter hatte es absolut mit der Eigenwerbung für seine Master Class Angebote übertrieben. So dass von dem Wochenende, neben einigen schönen Erinnerungen, außerhalb der Veranstaltung, noch eine Buchempfehlung in meinem Gedächtnis hängen geblieben ist; Jorge Bucay "Komm ich erzähle Dir eine Geschichte". Dieses kleine Buch hat es mit seinen kleinen, anekdotenhaften Geschichten in sich. Besonders eine Geschichte ist aber wichtig für diese – meine Geschichte in Paris.
Die Geschichte in der Geschichte
Sie handelt von einem alten Mann, ich nenne ihn mal Philippe, der in einem kleinen Dorf irgendwo in Frankreich, weit entfernt von Paris lebte [Anm.: mittlerweile weiß ich, dass die Geschichte in dem Buch nicht in Frankreich sondern Tschechien spielt, damals hatte ich es anders in Erinnerung].
Philippe verbrachte sein Leben in sehr armen Verhältnissen, in einem wackeligen Haus. Nun geschah es, dass er eines Nachts einen Traum hatte, in dem ihm mitgeteilt wurde er solle nach Paris gehen und er würde dort neben einer Seine-Brücke unter einem alten Kastanienbaum einen Gold-Schatz finden.
Er wunderte sich über diesen eigenartigen Traum, aber machte sich nichts weiter daraus. Doch nun träumte er über Wochen in jeder Nacht genau denselben Traum. Von der Brücke, von der Seine, von dem Kastanienbaum und dem Schatz. Die Bilder wurden auch immer klarer. Nachdem er nun 4 Wochen jede Nacht denselben Traum hatte, fällte er einen Entschluss und machte sich auf den Weg nach Paris. Er packte sein Bündel und machte sich zu Fuß auf den beschwerlichen und Tage dauernden Weg. Als er endlich in Paris ankam, war er sehr erschöpft. Dennoch machte er sich direkt auf den Weg zur Seine und tatsächlich findet er die Brücke und auch den alten Baum. Alles ist genau wie er es in seinem Traum gesehen hatte. Gerade als er seinen Spaten aus seinem Bündel holen und anfangen zu graben wollte, entdeckte er einen jungen Soldaten, der die Brücke bewachte. Da Phillipe ohnehin sehr müde war entschied er sich bis zur nächsten Nacht zu gedulden, um nach dem Schatz zu graben.
In der kommenden Nacht aber stand derselbe Soldat an eben derselben Stelle unter dem Baum an der Brücke. Auch der Soldat erinnerte sich sofort an den alten Mann vom gestrigen Abend und spricht ihn an:
"He Alter, was machst Du hier? Ich habe Dich doch gestern schon hier gesehen".
Da Philippe nichts zu verbergen hat, entschließt er sich dem Soldaten seine Geschichte zu erzählen. Von seinen immergleichen Träumen, mit der Brücke, dem Baum und der Sein und sogar von dem Schatz. Der Soldat aber lachte ihn aus und antwortet:
"Du bist verrückt Alter. Ich träume schon seit einigen Wochen, ich soll zu einem kleinen Dorf gehen und im Haus eines alten Mannes mit dem Namen Philippe werde ich unter dem Küchenfußboden einen Schatz finden".
Philippe machte sich umgehend und auf direktem Wege auf nach Hause und fand unter dem Küchenboden einen Goldschatz.
Back to Paris
Ich ging also durch das inzwischen nächtliche Paris und entschloss mich auf den Place de la Concorde zu gehen, um mir den Obelisken genau anzusehen. Von meiner Wanderung hatte ich noch Proviant in meiner Tasche.

In Paris waren mir schon an mehreren Stellen Familien aufgefallen, die mit kleinen Kindern auf den Bürgersteigen lagen und bettelten. Jedes Mal hatte ich mich über die unfähigen Väter geärgert, die es nicht schafften einen Platz für die Nacht für Ihre Kinder zu organisieren.
Ich kam also am Rande des Place de la Concorde an und wieder liegt dort eine Familie mit kleinen Kindern. Wieder ärgerte ich mich über die unfähigen Eltern und ging an der Familie vorbei. Doch dann besann ich mich und beobachtete mich von außen. Wollte ich so sein? Wollte ich so denken? Menschen so verurteilen, ohne die Umstände und Details zu kennen? Was mache ich hier eigentlich? Mir geht es so gut und ich habe noch Essen in meiner Tasche, welches ich heute Abend sicher nicht mehr benötigte.
Somit drehte ich mich um und gehe zurück und gebe der Familie mein restliches Essen und sie nahmen es gerne an. Dann mache ich mich auf den Weg zum Obelisken.
Der Place de la Concorde ist ein sehr großer Platz mit einem mehrspurigen Kreisverkehr. Außer mir war niemand sonst auf dem Platz zu sehen, niemand der sich auf den Obelisken zubewegte. Ich kam am Obelisken an und schaute mir die Hieroglyphen an. In diesem Moment tauchte wie aus dem Nichts ein junger Mann neben mir auf und fragte mich, ob er mir etwas erzählen dürfe.

Er käme aus Neuseeland und hätte seit Wochen einen Traum in dem er den Auftrag hatte sich in Paris der Obelisken auf dem Place de la Concorde anzusehen.
Wow!
Ich erzählte ihm daraufhin die Geschichte von Phillipe und wir schauten uns ungläubig an. Wir tauschten noch unsere Vornamen aus, umarmten uns und gingen dann wieder unserer Wege.
Wir waren zur richtigen Zeit, in der passenden Sekunde am richtigen Ort und wozu ist uns dies passiert?
Wir sind beide Suchende und konnten uns somit zeigen, dass wir die Lösung nur in uns finden. Der Schatz liegt in uns, doch ist es manchmal notwendig sich auf die Reise zu begeben, um zu erkennen, dass der Schatz längst unser Begleiter ist. Beseelt über diese Begegnung ging ich mit der Frage zurück ins AirBnB, "war ich jetzt der Soldat oder der alte Mann?". Vielleicht beides.


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